03|04|21 |

Heute ist »Internationaler Tag der Pressefreiheit« habe ich gerade gesehen. Pressefreiheit ist eines der obersten Werte. Ich erinnere mich da immer gerne an meine Zeit als freier Mitarbeiter bei der Mittelbadischen Presse. Auf dem Papier bin ich das noch immer. Doch leider lohnt sich der Aufwand nicht mehr. Vor gut elf Jahren begann ich mein Praktikum in der Kehler Redaktion, lange vor den großen Sparmaßnahmen. Dort durfte man noch ohne vorheriger Absprache spontan Text & Bild liefern, welches mit Kusshand genommen und veröffentlicht wurde. Ob vom »Litzmer« DRK Seniorennachmittag oder eine übergroße Sonnenblume in Nachbars Garten.

Spannend war die Zusammenarbeit mit den Volontären. Die kreierten den Text, ich durfte mit zum Fotografieren. Einige Male sogar eine ganze Foto-Session. Beim Hotel Ritter in Durbach spielte der damalige Sterne-Koch die Hauptrolle. Ich gab als Bildermacher mein Bestes. Obwohl ich es nicht war, der seinen Abschluss meistern musste, verspürte ich dennoch Herzpoltern. Aber, meine Fotos konnten sich sehen lassen. Am Schluss waren alle mehr als zufrieden: Redakteure, Redaktionsleiter, Herausgeber, Verleger, Volontär & ich.

Termine wie Sängerbund-Herbstfest, Messdi-Tänze, Schulabschlussbälle, schrieb’ ich schon fast wie im Schlaf. Es waren die einzigartigen, spektakulären Ereignisse, welche mich herausforderten. Wie dieses: Januar 2010. In der Redaktion klingelte es. Ein Kehler besuchte die Redaktion uns teilte uns mit, er habe gehört, die Schlecker-Filiale in der Hauptstraße würde dicht machen. Ich durfte den Lokalteil-Aufmacher übernehmen. Die Recherche-Arbeit begann. »Wir wissen von nix, von Schlecker war noch keiner da«, so die Antwort der Schlecker-Frauen auf erste Nachfragen in der Innenstadt-Filiale. Ein Anruf beim Vermieter erschien ebenfalls aussichtslos. Zuerst! Beim hartnäckigen Nachbohren kam es dann doch ans Licht: Der Mietvertrag wurde Ende März diesen Jahres gekündigt, sagte ein Mitarbeiter der Verwaltungsgesellschaft des Drogerie-Filiale. Eine besondere Art der Kommunikation war die Unterhaltung mit einem PR-Manager vom Schlecker-Konzern. Er kündigte an, Schlecker werde sich vergrößern, in sogenannte XL-Märkte. Unser geplanter Artikel würde kontraproduktiv, er würde Angst schüren. Wir wären schuld, wenn der Drogerie-Kette die Mitarbeiterinnen davonliefen. Wir sollten doch von einer Veröffentlichung absehen. Von einer Schließung der betroffenen Filiale wollte der wortgewandte Schlecker-Mann nichts wissen. So schließ Schlecker in der Hauptstraße Ende März seien Pforten. Ich war und bin stolz auf meinen »Aufmacher« im Kehler Lokalteil.